Geschichte der Steirischen Provinz
Die Gründung des Ordens der Minderen Brüder Kapuziner, ursprünglich Minderbrüder vom eremitischen Leben genannt, geht auf Reformbestrebungen innerhalb der franziskanischen Orden zurück. Getragen von der Frage, was es heißt, gemäß den Idealen des heiligen Franz von Assisi (1181/82-1226) die Nachfolge Jesu zu leben, entstand mit dem Franziskanerobservanten Mateo de Bascio (1495-
1552) diese Bewegung, deren offizielle Anerkennung durch Papst Clemens VII. (1478-
1534) mit der Bulle Religionis zelus am 3. Juli 1528 erfolgte. Papst Gregor XIII. (1502-
1585) hob 1574 mit Breve die Beschränkung auf, dass sich die Kapuziner nicht über Italien hinaus ausbreiten dürfen.
Das Generalkapitel des Kapuzinerordens beschloss 1599 Brüder nach Prag zu senden. Im Auftrag von Generalvikar Hieronymus von Castelferretti brach Laurentius von Brindisi (1559-1619) im Sommer von Venedig aus mit zwölf Gefährten auf. Am 28. August 1599 kamen sie in Wien an und am 8. November 1599 reiste Laurentius mit sechs Brüdern nach Prag. Die übrigen Brüder blieben in Wien. Ende Juli 1600 weilte Laurentius in Graz. In kurzer Folge kam es zur Gründung der Klöster Wien St. Ulrich, Prag und Graz und zur Errichtung des Österreichisch-Böhmisch-Steirischen Kommissariates. Bereits 1608 kam es zur Teilung in ein Österreichisch-Böhmisches und in ein Steirisches Kommissariat mit den Klöstern Graz, Laibach und Bruck an der Mur.
Das Steirische Kommissariat wurde 1619 zur Steirischen Provinz mit dem Titel von der Unbefleckten Empfängnis erhoben. 1754 hatte die Provinz 34 Niederlassungen mit 771 Brüdern. In dieser höchsten Blüte der Provinz war der spätere Generalminister Erhard Kuglmayer von Radkersburg (1713-1798) Provinzial.
Durch ein kaiserliches Dekret Joseph II. (1741-1790) wurden 1783 5 Klöster (Zagreb, Rijeka, Gospić, Karlobag, Varaždin) von der Provinz abgetrennt und zur Kroatischen Kustodie (Custodia Sancti Stephani Regis seu Croatiae) zusammengeschlossen. 17 Klöster wurden unter Joseph II. zwischen 1783 und 1788 aufgehoben, vier weitere (Ljubljana, Bruck, Leoben, Radkersburg) später unterdrückt. Die verbliebenen Klöster konnten aufgrund des Verbots der Aufnahme von Novizen nur mangelhaft besetzt werden. Roman Zängerle (1771-1848), Fürstbischof von Seckau, setzte sich für die Restaurierung der Provinz ein. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erholte sich die Provinz allmählich. Mit Mettersdorf bei Mureck und am Zentralfriedhof in Graz wurden zwei neue Hospize gegründet.
Nach der Auflösung der Donaumonarchie in einzelne Nationalstaaten wurden mit Dekret des Generalministers vom 30.12.1921 die Steirische Provinz, deren kroatische Tochterprovinz und die Österreichisch-Ungarische Provinz aufgehoben und die Wiener Provinz gegründet. Diese umfasste die auf österreichischem Staatsgebiet liegenden Klöster der Steirischen Provinz (Hartberg, Irdning, Klagenfurt, Knittelfeld, Leibnitz, Murau, Schwanberg, Wolfsberg) sowie die Klöster der Österreichisch-Ungarischen Provinz, insgesamt 22 Niederlassungen mit 212 Brüdern. Die beiden slowakischen Klöster wurden 1923 direkt dem Generalminister unterstellt, die ungarischen Klöster bildeten ab 1934 ein eigenes Kommissariat.
